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Ehrenbürger „humoris causa“ Thomas Anders
Am Samstag, den 21. Februar 2004, versammelte sich eine große
Fangemeinde von Thomas Anders vor den heimischen Fernsehern, um
seinen Auftritt mit der aktuellen Single „King Of Love“ zu
sehen. Montag erscheint sein erstes Soloalbum „This Time“ und
eine Samstagabendshow eignet sich gut für die Promotion. Nach
dem gelungenen und gute Laune ausstrahlenden Auftritt von Thomas
mit seiner Band, einer Saxophonistin und zwei
Backgroundsängerinnen bat Moderator Frank Elstner, dass Thomas
doch noch zu ihm kommen soll. Nach einem kurzen Gespräch über
das neue Album und Konzerttermine kam Frank auf einen Beitrag
für die ARD-Sendung „Brisant“ zu sprechen und fragte Thomas,
warum er das gemacht hat und was dabei passierte. Thomas
berichtete, es handele sich um die Übergabe einer
Ehrenbürger-Urkunde der Hauptstadt Doha des arabischen
Scheichtums Qatar, er hätte trotz vollem Terminkalender die
Reise vor zwei oder drei Wochen angetreten, um die Gastgeber
nicht zu enttäuschen. Er hätte allerdings den fertigen Schnitt
noch nicht gesehen und wäre gespannt, wann der Beitrag bei
„Brisant“ ausgestrahlt würde. So nach und nach eröffnete Frank
ihm, dass es sich um einen Streich mit der versteckten Kamera
handelte und alles gelogen und erfunden war. Thomas war
sichtlich geschockt und wollte es erst nicht glauben, bat Frank
noch darum, dass es nicht wahr wäre, nahm aber alles mit Humor.
Was war passiert?
Thomas wurde tatsächlich von „Brisant“ zwecks Promotion nach
Qatar eingeladen. Im Scheichtum angekommen, begrüßte ihn Sam,
ein alter Bekannter, der ihn begleiten und als Dolmetscher für
Arabisch und Deutsch fungieren sollte. Nach Einchecken im
fantastischen Hotel Ritz Carlton Doha wurde erst mal eine
Stadtrundfahrt gemacht und Thomas bekam das Lieblingspferd von
Sam vorgestellt, das tatsächlich „Norah“ heißt. Während der
Besichtigungstour klingelte das Handy von Sam, dran war Scheich
Yussuf Bin... (der vollständige Name kann von uns beim besten
Willen nicht wiedergegeben werden), der Thomas zum Treffen
zwecks Verleihung der Ehrenbürger-Urkunde der Hauptstadt Doha
von Qatar einladen wollte. Der Scheich wäre ein großer Fan von
Modern Talking, wurde Thomas gesagt. Um sich beim Scheich
bedanken zu können, lernte Thomas schnell ein paar Worte
Arabisch. Nun musste Thomas erst mal dem Anlass entsprechend
eingekleidet werden, in einem arabischen Geschäft bekam er ein
weißes Gewand mit passendem Kopftuch verpasst. Da das Ganze ja
ein Scherz war, wurde Thomas das Leben schwer gemacht, indem er
in einer Parfümerie ein besonderes Parfüm testen sollte (roch
wie Kamel-Pipi und war es auch), richtige Übelkeit erzeugte dann
aber geschreddertes Kamelhuf, das angeblich beim Kauen für weiße
Zähne sorgen sollte wie Dental-Kaugummi. Für Heiterkeit sorgte
eine gefälschte Sendung im Lokalradio: Der Moderator erwähnte,
Thomas Anders wäre in der Stadt und würde zum Ehrenbürger
ernannt, und spielte „Cheri Cheri Lady“.
Am nächsten Tag sollte das Treffen von Thomas mit dem Scheich in
dessen Camp mitten in der Wüste stattfinden. Der Fahrer des
Scheichs sollte Thomas im Jeep dort hin fahren. In Wirklichkeit
war es aber der amtierende Rallye-Meister von Qatar, der den
Auftrag hatte, kreuz und quer durch die Wüste zu fahren, nur
nicht auf befestigten Straßen. So ging es durch die Dünen,
bergauf und bergab, Thomas hielt sich krampfhaft im Auto fest,
kämpfte gegen Übelkeit an und bedankte sich aber doch am Ziel
für „quick drive“. Im Zelt des Scheichs wurde er mit den
arabischen Gewändern eingekleidet und wartete gespannt auf den
Gastgeber. Dieser flog kurz darauf mit dem Hubschrauber ein, war
aber enttäuscht, Thomas alleine anzutreffen. Er hatte ein Duo
erwartet und fragte nach dem Gitarristen, warum der denn nicht
mitgekommen wäre? Thomas antwortete: „Der hat sich
aufgelöst.....irgendwo im All.“ Im Zelt gab es ein
Begrüßungszeremoniell mit Kamelmilch, sehr nach alter Tradition.
Thomas, der bekanntlich keine Milch mag, sagte, er hätte eine
Milchallergie, probierte aber doch einen Schluck. Doch seine
Nerven, was Geschmack und Essensgewohnheiten anging, wurden erst
danach auf die härteste Probe gestellt, die er wahrscheinlich je
erlebt hat. Zum Essen gab es ein ganzes gebratenes Lamm, das der
Scheich angeblich am Morgen extra für diesen Anlass hat
schlachten lassen. Der Gastgeber legte Thomas ein Stück
„Fleisch“ auf den Teller und der Dolmetscher erklärte ihm, für
den Gast wäre es die höchste Auszeichnung, vom Gastgeber die
Zunge des Lamms überreicht zu bekommen. Thomas war fix und
fertig, fragte höflich, ob er nicht lieber ein Stück Filet haben
könnte. Gesteigert wurde der Ekel dann noch, als als Nächstes
die Hoden des Lamms auf Thomas' Teller landeten, angeblich das
Beste und total lecker. Ja, super lecker, meinte Thomas, und
überspielte seine Übelkeit.
Erfreulicher wurde es, als er für den Scheich singen durfte,
erst „You're My Heart, You're My Soul“, dann „King Of Love“.
Beim gemütlichen Wasserpfeifenrauchen kam es zum Höhepunkt des
Tages, der Urkundenverleihung. Sehr zum Schreck bekam Thomas
aber nicht eine, sondern zwei Urkunden. Als Fan von Modern
Talking wollte der Scheich auch Dieter Bohlen zum Ehrenbürger
ernennen und bat Thomas, ihm die Urkunde weiterzuleiten. OK,
meinte Thomas, das kann die Plattenfirma sicher machen. Der
Scheich war enttäuscht und wollte lieber Modern Talking zusammen
sehen. Er machte ein „unmoralisches Angebot“ und bot 2 oder 3
Millionen (Dollar?) für eine erneute Wiedervereinigung. Thomas
lehnte jedoch ab, der Scheich verließ verärgert das Zelt und
flog sofort mit dem Hubschrauber davon. Aus und vorbei, die
Ehrenbürgerschaft war damit gestorben, Thomas sah es positiv und
bemerkte, „der Typ wäre ihm eh unsympathisch“ gewesen. Gestorben
sind für Thomas wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit auch
Lammgerichte.
Das Publikum von „Verstehen Sie Spaß?“ klatschte nach dem
Filmbeitrag begeistert Beifall und Thomas, der während des Films
dann doch immer wieder herzhaft mitlachen musste, versprach,
Frank Elstner nicht böse zu sein. Obwohl er auf eine sehr harte
Probe gestellt wurde, benahm er sich die ganze Zeit über in
Qatar höflich und korrekt, aber man merkte ihm doch an, dass ihn
die Erlebnisse ganz schön mitgenommen hatten. Gerade beim Essen
versteht Thomas, der Gourmet, eigentlich keinen Spaß. Trotzdem,
Hut ab vor soviel Standhaftigkeit!
Anmerkung vom Team:
Leider ist die Sendung "Verstehen Sie Spaß?" eine Produktion des
SWR. Diese weigern sich standhaft, uns eine Genehmigung für
Screenshots zu erteilen. Somit muss auch dieser Bericht leider
ohne Bilder von unserem arabisch verkleideten Thomas auskommen.
Wir bedauern diesen Zustand zutiefst und hoffen, dass es eines
Tages zu einer positiven Veränderung kommt.
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