|
Musiker appelliert an alle Koblenzer, die es sich leisten
können, ihr Kindergeld zu spenden und übernimmt die
Schirmherrschaft für den Kinderschutzbund.
Ein Baby, das niemand wickelt und wäscht. Ein kleines Kind,
das niemand umarmt. Ein Schulkind, das nie ein richtiges
Mittagessen bekommt. Nie im Leben gibt es das in Koblenz. "Ja,
das habe ich auch gedacht", sagt Thomas Anders. Jetzt weiß er es
besser - oder eher schlechter. Und hat deshalb gern die
Schirmherrschaft für den Koblenzer Kinderschutzbund
übernommen, um mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass hier
lange nicht alles gut läuft.
KOBLENZ. Thomas Anders appelliert an die Koblenzer - besser
gesagt, an "alle Koblenzer, die es sich leisten können"- das
Kindergeld, das sie für ihre eigenen Töchter und Söhne bekommen,
dem Kinderschutzbund zu spenden." Demnächst 164 € im Monat, das
heißt, wir sprechen von einer Summe von rund 1800€ im Jahr",
sagt Thomas Anders, der die Schirmherrschaft für den Koblenzer
Kinderschutzbund übernommen hat und natürlich mit gutem Beispiel
vorangehen wird. "Seien wir doch mal ehrlich, wenn man 10 000 €
oder mehr im Monat verdient, dann ist man doch auf das
Kindergeld nicht angewiesen."
Der Kinderschutzbund aber schon. Denn der Verein muss im Jahr
mindestens 50 000 € selbst aufbringen, die restlichen Gelder
fließen von Kommune und Land. "Aber das hat uns schon manch
schlaflose Nacht bereitet", sagt Helga Wegeler, die 14 Jahre
lang Schirmherrin war und das Amt jetzt sehr gerne in jüngere
Hände abgibt. Denn wenn kein Geld mehr da ist, müsste darüber
nachgedacht werden, Arbeitsgebiete einzuschränken - und dabei
müssten sie eher ausgeweitet werden. "Unfassbar, wie viel Not
und Elend Kinder hinter den Fassaden einer Stadt wie Koblenz
erleben und erleiden", sagt Wegeler. Da sind die rund 9000
Anrufe, die beispielsweise im vergangenen Jahr am Kinder- und
Jugendtelefon eingegangen sind. Da sind die 105 Kinder und
Jugendlichen im Jahr 2007, die von hauptamtlichen Kräften des
Kinderschutzbundes betreut wurden, weil sie vernachlässigt,
misshandelt oder missbraucht wurden. "Und wer, wenn nicht wir
Erwachsenen, kann das ändern?", fragt Anders beim Gespräch in
seinem Büro.
Der Kontakt zum Kinderschutzbund ist nicht zufällig entstanden.
Denn schon oft hat sich der 45-jährige für
Kinderprojekte engagiert - und schon oft für Projekte in seiner
Wahlheimat Koblenz. " Ich finde, wir haben die Verantwortung, in
unserem eigenen Bereich etwas zu bewirken", sagt er. Und so hat
er nicht lange gezögert, als die Mitarbeiterinnen vom
Kinderschutzbund ihn bei einer Scheckübergabe einfach gefragt
haben, ob er sich nicht vorstellen könne, Schirmherr zu werden.
"Ich habe ein bisschen darüber nachgedacht und dann mit meiner
Frau gesprochen", erzählt Thomas Anders. Sie sagte gleich:
"Du musst es selbst entscheiden, aber ich finde es gut."
Vielleicht hätte sich der Musiker vor sieben Jahren noch
anders entschieden. Da war Sohn Alexander noch nicht auf der
Welt. "Und es ist ja banal, aber es stimmt: Wenn man selbst
nicht Vater oder Mutter ist, dann sieht man die Welt mit anderen
Augen." Doch wenn man ein Kind hat, so Anders, dann weiß man
wirklich, wie schutzlos und schutzbedürftig Kinder sind.
Kinder zu schützen, das ist also sein großes Anliegen. Als
Schirmherr des Kinderschutzbundes bedeutet das vor allem, die
Popularität des Namens zu nutzen, um auf die Probleme
hinzuweisen. Und eben: Geld zu sammeln. "Ich bin wirklich
gespannt, wie viele Koblenzer die Herausforderung annehmen und
sagen: "Ja, ich will mit meinem Kindergeld etwas bewirken!
Etwas Gutes für Kinder tun, denen es schlechter geht als
meinen."
©
Rhein-Zeitung Koblenz
(Doris Schneider) / Ausgabe 8.11.2008
Wir bedanken uns herzlich für die freundliche Genehmigung!
|