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                               Anders ist ohne Bohlen einfach ganz anders
 
                        
                                          
 

                    
                  
Thomas genießt den Ausblick über die Kieler Förde und das Klirren der Eisschollen
                                     

Kiel – Er stapft beherzt durch den Kieler Schneematsch mit seinen handgenähten braunen Edeltretern, im eleganten Kaschmirmantel, den Kragen hoch, die Hände vor der Kälte in den Taschen begraben.


Und es macht ihm nichts. Thomas Anders, in den 80er-Jahren die eine Hälfte von Modern Talking, ist heute ein erfolgreicher Solokünstler und zurzeit immer auf Achse. "Gestern war ich in Köln, heute geht es weiter nach Hamburg und dann nachts noch rüber nach Berlin, denn da muss ich morgen früh um 8 Uhr im Frühstücksfernsehen sitzen", sagt der 43-Jährige, der als Bernd Weidung in Münstermaifeld in der Eifel geboren wurde. Kurzbesuch in Kiel. Interviewtermine mit der NDR 1 Welle Nord und den Kieler Nachrichten. Dafür das Foto an der glitzernden Förde, dafür der Fußmarsch durch den Schnee. Viel Programm, aber wenig Hektik. 

Der Mann ruht in sich. Sein neues Album zeugt davon: Softe, lässige 80er-Coversongs im Barmusik-Sound. Dabei hätte er doch Grund sich aufzuregen, wegen der technischen Panne zum Beispiel beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest? Dreimal musste er dort ohne Musik seine Ballade "Songs that live forever" neu ansetzen. "Nö, das hat ja nicht den Ausschlag gegeben für meinen zweiten Platz", sagt er und fährt sich durch die dunklen, dichten Haare. "Mir tat nur der Tontechniker leid. Ich dachte, der Arme, der liegt jetzt bestimmt gleich ohnmächtig über seinem Mischpult." 

Er ist mehr als gut aufgelegt und alles andere als der lockig-weibische Sängerknabe mit dem berühmten NORA-Kettchen und den gefürchteten Zicken-Allüren, als der er in den 80ern verschrien war. Anders ist jetzt eben anders. "Mein Image von damals ist aus der Situation entstanden", erkennt er heute. "Mit 20 völlig überfordert von dem Mega-Erfolg und dazu eine Plattenfirma, die alles bestimmte. Wenn man dann mal nicht so wollte, war man gleich schwierig und zickig." Heute mit 43 und viel Erfahrungen mehr sei das einfacher, man gehe ganz anders mit Anders um. "Wenn ich jetzt sage, das mache ich aber lieber so, dann finden das alle in Ordnung."

Er lächelt aus den unglaublich braunen Augen, gestikuliert mit großen Armbewegungen. Lebhaft ist er, aber eben alles andere als hektisch. Und er erzählt gerne. Die Erfahrungen mit Dieter Bohlen? "Möchte ich nicht missen. Der Mensch lernt doch nur aus schlechten Erfahrungen. Nicht aus denen, die er auf den Wegen macht, die er auf Rosenblättern geht", sagt er. Auf dem Weg, den er an der Seite von Bohlen ging, lagen eher Dornen. Und die haben Narben hinterlassen. "Manchmal versuche ich, die ganze Sache von außen zu betrachten und stelle immer wieder fest, dass ich Dieter Bohlen nicht verstehe. Er kann nicht teilen, hat kein Team-Verständnis. Er macht sich groß, indem er andere klein macht." Aber auch das regt ihn nicht auf. Das Krawallmachen überlässt er seinem Ex-Sangespartner. Eine Neuauflage von Modern Talking? Ausgeschlossen. Eiszeit. 

Auch in Kiel. Die Eisschollen auf der Förde schlagen zart aneinander. "Wasser hat so etwas Beruhigendes", findet der gebürtige Rheinländer, der die Schleswig-Holsteiner beneidet. "Ist so schön beschaulich hier und gar nicht hektisch." Genau das Richtige für den Mann, der ohne Bohlen so ganz Anders ist.

                 Copyright Text und Foto: Anke Pipke / Kieler Nachrichten vom 16.3.06

 

               Wir bedanken uns ganz herzlich für die freundliche Genehmigung und Unterstützung

 

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