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                                        Fische empfinden anders
 


Er war einmal der lockig-weibische Sängerknabe mit dem berühmten NORA-Kettchen, dem rosa Lipgloss und den gefürchteten Zicken-Allüren. Die eine Hälfte von Modern Talking, der Mann neben Dieter Bohlen. Heute ist Thomas Anders ganz anders. Ein nachdenklicher Mann mit deutlichen Ansichten, dabei nicht laut, eher bescheiden und ruhig. Ganz wie sein Sternzeichen Fisch es vermuten lässt.

Heißen Sie eigentlich wirklich Thomas Anders oder ganz anders?

Ich heiße eigentlich anders, nämlich Bernd Weidung. Als ich mit 15 Jahren meinen ersten Schallplattenvertrag bekam, haben wir den Namen des Geschäftsführers der Plattenfirma genommen. Eigentlich sollte ich sogar Thommy Anders heißen, aber das wollte ich nicht. Ich sagte damals: Wenn ich mal alt bin, so Ende Zwanzig, dann passt das nicht mehr.

Aus dieser Warte betrachtet werden Sie am 1. März dann ja uralt: 45 Jahre. Feiern Sie das?

Jeder Geburtstag ist für mich ein Grund zu feiern.

Da Fische-Männer sehr romantisch sein sollen, vermute ich mal eine lauschige Feier mit Ihrer Frau bei Kerzenschein?

Das kommt dem schon sehr nahe in diesem Jahr. Wir werden mit der Familie über das Wochenende in den Bergen sein.

Auch zum Skilaufen?

Ich bin perfekt im Après-Ski, das Skilaufen zu lernen habe ich irgendwie verpasst.

Also keine Skiunterwäsche auf dem Geburtstagsgabentisch? Was dann?

Ach, es ist schwierig mich zu beschenken, findet zumindest meine Frau. Ich wünsche mir nichts. Ich habe doch alles, was ich brauche. Ich bin aber immer offen für kleine schöne Dinge.

Man sagt Fische-Geborenen nach, sie seien bescheiden, schüchtern und uneigennützig. War das auch Ihre Rolle bei Modern Talking?

Rolle würde ja bedeuten, ich hätte es kreiert, aber das habe ich nicht. Ich bin immer so, wie ich bin. Beim ersten Mal habe ich ja für die Skandale gesorgt, dann, beim Comeback von Modern Talking, habe ich Dieter Bohlen gerne den Vortritt gelassen. Ich kann gut in der zweiten Reihe leben, die in der ersten bekommen immer die Torten ab.

Können Sie heute auch mal eigennützig sein?

Oh ja. Wenn es um meine Familie und um Werteerhaltung geht. Meine Frau weiß, wenn ich schwarze Augen kriegen dann ist nicht mehr gut Kirschen essen mit mir. Aber das dauert bei mir.

Beim diesjährigen deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest ist auch eine Casting-Band dabei. Die No Angels. Ihr Favorit?

Ich habe ja selber erfahren, wie das so ist mit den Favoriten, als ich 2006 gegen Vicky Leandros und Texas Lightning antrat. Die Countryband hatte damals erst keiner auf dem Schirm, und dann haben sie gewonnen.

Wie betrachten Sie heute diesen Song Contest mit den eigenen Erfahrungen dabei im Hinterkopf?

Der Grand Prix oder Song Contest hat für mich nichts mehr mit einem Sänger- oder Komponistenwettbewerb zu tun. Der müsste Show-Contest heißen. Wer präsentiert sich möglichst schrill, ist die Maxime.

Schade?

Ich finde schon, denn eigentlich geht es doch um die Musik. Aber wahrscheinlich ist das mein persönliches, sehr sentimentales Empfinden. Es ist nun mal ein visuelles Geschäft.

Wird dort  noch einmal ein echter Star geboren, wagen Sie mal einen Blick in die Zukunft…

Das ist natürlich eine Frage der Definition. Sicher wird es Zeiten geben, in denen einer oder eine die Massen berührt. Aber heute muss man als Star wirklich viel mehr aushalten. Das Computerzeitalter macht das Leben so transparent. Das ist schwer zu ertragen. In den 70er und 80er Jahren war das anders. Da konnte man seine Menschlichkeiten privat ausleben.

Was glauben Sie, haben die Sterne Einfluss auf das, was mit uns passiert?

Ich glaube, dass unsere Geburtsstunde nicht unbedeutend ist für unseren Charakter. Ein Sternzeichen Fisch empfindet anders als ein Sternzeichen Löwe. Davon bin ich überzeugt; jeder sucht ja seine Form der Erklärung. Ich glaube, dass es da irgendetwas Kosmisches gibt.

35 % der Frauen lesen ihr Horoskop, aber nur 15 % der Männer. Bitte enttäuschen Sie mich nicht. Lesen Sie Ihres?

Ja, ich lese immer mein Horoskop! Aber ich vergesse es auch schnell wieder und richte mein Leben nicht danach aus. Es ist ein Zeitvertreib.

Unser Astrologe rät den im Sternzeichen Fische-Geborenen im März nicht zu zögern, wenn ihnen ein Angebot unterbreitet wird. Es kann ihr Leben verändern. Haben Sie eine Idee, was das bei Ihnen sein könnte?

Oh, ich habe immer Angebote. Im vergangenen Jahr habe ich weltweit 70 Shows gegeben. Im Sommer kommt mein neues Album und die Single raus. Ich bin heute aber nicht mehr nur noch Musiker, sondern viel mehr ein Entertainer. Ich singe, moderiere, produziere, schreibe Songs. Man muss flexibel sein, das ist heute anders als früher. Also gehe ich weiter positiv in den März.



                     ©
KIELER NACHRICHTEN / JOURNAL - Anke Pipke, Freie Journalistin, 23. Februar 2008 

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