Um das Elend der Waisenkinder, die in St. Petersburg (Russland)
auf der Straße leben, etwas zu mildern, wurde ein Benefizabend
unter Mitwirkung zahlreicher Künstler veranstaltet. Am Vorabend
des 3. Advent 2002 wurde ins Große Haus des Düsseldorfer
Schauspielhauses geladen. Einem Arztehepaar kam vor einigen Jahren
die Idee, etwas für die benachteiligten Kinder in St. Petersburg
zu tun, damit sie Wohnraum, medizinische Versorgung und
Schulbildung bekommen können. Wer etwas für Kinder tut, tut
etwas für die Zukunft des Landes, ist ihr Motto.
Durch das
Programm führte die Moderatorin Bärbel Schäfer, bekannt von
RTL. Der St. Petersburger Knabenchor, zur Zeit auf Tournee durch
Westeuropa, bestritt den größten Teil des Abends. Gleich zu
Beginn gab es Grußworte vom russischen Generalkonsul. Der
ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm, RTL-Moderator Hans
Meiser,
Schauspielerin Marie-Luise Marjan und ein Opernregisseur
(den Namen habe ich mir leider nicht gemerkt) trugen Gedichte und
Geschichten vor und erklärten aus ihrer Sicht, warum sie sich für
die Straßenkinder einsetzen. Gespräche gab es mit dem
Arztehepaar und einem Sponsor, der Vitaminpräparate herstellt und
eine größere Spende beisteuert.
Der erste Sänger, der zusammen
mit dem St. Petersburger Knabenchor auftrat, war Musikproduzent
Uwe Busse (produziert u. a. die „Flippers“). Er hat im Laufe
seiner Karriere 23 Goldene gesammelt und singt
nun nach 15 Jahren hinter dem Mischpult selber. Das Lied fand ich
nicht unbedingt schlecht, aber seine Nähe zu den Flippers konnte
man deutlich heraushören. Schlager eben...
Welch eine Wohltat für
die Ohren des Publikums war es, als am Ende des Programms, das übrigens
entgegen der Angabe von 1,5 Stunden insgesamt 2,5 Stunden dauerte,
endlich Thomas Anders auf die Bühne kam! Irgendwie kam plötzlich
Leben ins doch schon etwas müde gewordene Publikum. Thomas sang
live mit Begleitung eines Pianisten ein amerikanisches
Weihnachtslied („Merry Christmas“) und danach eine unglaublich
gelungene Version von „I'm Dreaming Of A White Christmas“. Ich
will nicht übertreiben, aber ich bin der Meinung, Thomas singt
alle anderen Weltstars an die Wand, und so gefiel mir auch dieses
Lied 1000 Mal besser als das Original! Die letzte Strophe sollten
die Zuschauer mitsingen, was aber nicht gelang. Den Text kannten
die meisten, aber man war wohl zu ergriffen. Da Thomas sowieso
besser singen kann, wurde es nach drei Worten wieder ruhig im Saal ;-)
Nach den zwei Liedern, die mit lautem Beifall
belohnt wurden, kam der Knabenchor auf die Bühne und es wurde
zusammen ein etwas fröhlicheres Lied vorgetragen, das mir sehr
gut gefallen hat und das von Kindern handelte. Danach gab es
Beifall vom stehenden Publikum. Thomas hat sich an diesem
Abend fast selber übertroffen, er sang live, gefühlvoll und
trotzdem mit kräftiger Stimme. Nur Bärbel Schäfer stieg mit
beiden Füßen auf einmal in ein riesiges Fettnäpfchen, indem sie
Thomas interviewte und fragte, ob man Dieter Bohlen nicht einfach
durch den Pianisten ersetzen sollte - es klappt ja auch so. Was
Thomas geantwortet hat, habe ich nicht genau in Erinnerung, aber
er war so klug, auf den Blödsinn nicht weiter einzugehen. Man
kann nur noch mit den Augen rollen, was die Moderatoren sich so
abquälen, wenn sie nichts Intelligenteres auf Lager haben!
Thomas
sprach nach seinem gelungenen Auftritt die Abschiedsworte zum
Publikum, danach kamen alle Mitwirkenden auf die Bühne. Es gab
wunderschöne Blumensträuße und die Fotografen und Reporter
beeilten sich, so viele Bilder und Interviews zu bekommen, wie möglich.
Ein Fernsehteam vom WDR war übrigens auch anwesend. Einen
weiteren Prominenten habe ich in der ersten Reihe entdeckt, der
aber nicht aktiv mitmachte: Den Hobbythek-Moderator Jean Pütz aus
Köln.
Schade, dass man zwar so ein schönes Konzert auf Fotos
festhalten kann, aber die Musik nicht im Ohr erhalten bleibt.
Eine CD von Thomas mit seinen schönsten Weihnachtsliedern ist
sicher nicht nur ein großer Wunsch von mir!
© Text: Barbara Maus
© Fotos: M. Wittneben